Gespräche vorbereiten
Mitarbeiter kommt ständig zu spät – so sprichst du es an
Du hast es ein paarmal gesehen und nichts gesagt, und jetzt ärgert es dich mehr, als es sollte. Hier steht, wie das Gespräch anfängt, was du fragst, was du auf die üblichen Ausreden antwortest und wie es endet.
Sag nicht „ständig“
„Du kommst ständig zu spät“ ist der Satz, der das Gespräch am schnellsten kippt. Ein einziges Gegenbeispiel – „letzte Woche war ich jeden Tag pünktlich“ – und ihr redet über dein Wort statt über das Zuspätkommen. Zähl stattdessen: welche Tage, wie spät. Das ist keine Übertreibung, sondern eine Beobachtung, und über eine Beobachtung lässt sich schlecht streiten.
Vor dem Gespräch: drei Dinge klären
- Die Tage. Schreib die letzten zwei, drei Male auf, mit Uhrzeit. Nicht aus dem Gedächtnis im Gespräch.
- Die Folge. Was passiert, wenn er zu spät kommt? Die Übergabe wird zweimal gemacht, ein Kunde wartet, eine Kollegin übernimmt seinen Anfang. Das ist der Grund, warum es dich angeht – und du sagst ihn selbst, statt ihn zu erfragen.
- Ist es das erste Mal, dass du es ansprichst? Davon hängt ab, wie verbindlich der Abschluss wird.
Der Einstieg
Situation, Verhalten, Folge – in dieser Reihenfolge, und ohne Lob davor. Ein Kompliment zum Aufwärmen hört er als Vorwarnung, und danach glaubt er dem Lob nicht mehr.
„Am Montag warst du um 8:20 da, am Mittwoch um 8:15. Die Besprechung fängt um acht an, und ich habe die Übergabe beide Male für dich wiederholt. Darüber will ich heute mit dir reden.“
Danach: aufhören zu reden. Die Pause gehört ihm.
Die Nachfragen
Du willst seine Sicht, nicht sein Geständnis. Frag nichts, dessen Antwort du schon kennst („Weißt du, wann wir anfangen?“), und nichts, das prüft, ob es Absicht war.
„Wie sieht dein Morgen gerade aus – was kommt dir vor acht in die Quere?“
„Was bräuchtest du, damit du um acht da bist?“
Frag nicht nach Privatem. Erzählt er von sich aus von Kinderbetreuung, Pflege oder einem neuen Arbeitsweg, nimm es ernst: Vielleicht lässt sich der Beginn anders regeln. Das ist dann keine Nachsicht, sondern eine Führungsentscheidung.
Wenn er ausweicht
„Das war doch nur zweimal.“
„Genau um diese zwei Male geht es. Ich spreche es jetzt an, damit kein drittes daraus wird.“
„Die anderen kommen auch später.“
„Wenn dir da etwas auffällt, reden wir darüber gern getrennt. Heute geht es um deinen Anfang um acht.“
Er sagt nichts.
„Wie siehst du das?“
Und dann warten. Länger, als es sich gut anfühlt.
Der Abschluss
Eine Vereinbarung, so verbindlich, wie der Anlass es braucht. Beim ersten Ansprechen reicht sie mündlich. Hast du es schon einmal angesprochen, gehört ein Zeitpunkt dazu, an dem ihr nachseht.
„Dann halten wir fest: Du bist ab Montag um acht da. Ende des Monats schauen wir kurz, ob es klappt. Passt das für dich?“
Was du nicht sagst
- Keine Drohung. „Sonst hat das Konsequenzen“ macht aus einem Gespräch eine Abmahnung, nur ohne ihre Form. Bist du so weit, ist es ein anderes Gespräch, und das bereitest du mit der Personalabteilung oder arbeitsrechtlichem Rat vor.
- Keine Unterstellung. „Dir ist das wohl egal“ sagt etwas über ihn, nicht über das Zuspätkommen – und dagegen muss er sich wehren.
- Kein zweites Thema. Fällt dir noch etwas ein, das stört: ein anderes Mal. Ein Gespräch, eine Sache.